Anarchie in Big Mango

Revolution in Al-Qahira und der Wille des Volkes

kairo4Nicht nur die größte Stadt, sondern auch das wichtigste politische und wirtschaftliche Zentrum der arabischen Welt, ist zur Zeit in einem Ausnahmezustand. Jetzt könnte die sooft gepriesene Vielfalt von Kairo ihr zum Verhängnis werden. Denn alle Interessengruppen ringen dort um Einfluß und Macht. Die fast tausend Jahre alte Palaststadt, einst eine römische Siedlung, beherbergt heute fast über 15 Millionen Menschen (die Dunkelziffer munkelt noch 10 drauf). Diese Stadt trägt nicht nur den Titel eines Unesco Weltkulturerbes, sondern auch die Lasten von unüberschaubaren Strukturen. In nicht allzu weiter Ferne lächelt das einzig noch bestehende Weltwunder, die Pyramiden von Gizeh mit der größten Sphinx, über den Alltag dieser diffusen Verwaltung Kairos.

Die Unordnung der Ordnung

kairo5Doch bisher wurde dieser Umstand in der nachgesagten ältesten Bürokratie der Welt mit Milde und Humor behandelt. Zu undurchdringlich erschienen jedem einzelnen Bewohner der Stadt die Strukturen der Regierung. Obwohl die meisten der sechs Millionen Regierungsangestellten Ägyptens in Kairo arbeiten, witzelte man über die unkoordinierten und ineffizienten Behörden und akzeptierte mit Gleichmut dessen existierende Sinnlosigkeit.

Kairos berühmteste literarische Stimme Salama Moussa sagte einst über die Kunst des Lebens: „Das Individuum kann Erfolg und Zufriedenheit nur in einer ganzheitlichen Ordnung erleben.“ Diese Ordnung, die bisher das bürokratische Chaos zusammenhielt, ist seit dem Beginn des „Arabischen Frühlings“ in der Schwebe und weckt die Spannung vorallem auch in der westlichen Welt.

Euphorische Start steuert auf Gegen-Revolution zu

Es erscheint als würde der politische Druck von Außen jeden Keim der sozialen Neuentwicklung ersticken. Denn Gefallen fände insbesondere die USA an einer schnellen Lösung. Da sie bereits seit Jahren Finanzspritzen in Milliardenhöhe als „Militärhilfe“ in das Land pumpt, wäre ihr die Militärregierung am Liebsten.  Denn erstens kennt man sich und andererseits verursacht die Unruhe auch dem Ausland hohe Kosten. Daher wünschen sich der Westen und die Anrainerstaaten notfalls auch die Rückkehr der alten Eliten, um möglichst schnell wieder „Normalität“ herzustellen. Was nützt einem auch eine teure und sich zu langsam entwickelnde Demokratie, wenn eine autoritäre und undemokratische Regierung billiger und schneller geht. Mal wieder auf Kosten der Kultur.

Politische Kunst im Orient

kairo567Das es so was wie das Politische in der Kunst generell noch gibt, treibt jedem 68er im Westen die Nostalgietränchen der Rührung in die Augen. Die junge Kunstszene in Kairo allen voran der Streetartists demonstrieren, dass Kunst auch etwas bewegen kann. Unbestritten sind sie mit der Auslöser des Umsturzes von Mubarak 2011 gewesen und sorgen auch für Beständigkeit ihrer kreativen Politslogans und Piktogramme an den Wänden der Stadt. Zum Trotz der prekären Lage zu Zeit und zur Nutzung der noch neu gewonnenen Freiheit gruppieren sich immer mehr Künstler und initiieren kurzweilige Projekte und Kunstaktionen. Sie sind jung, wild und mit einem Selbstbewußtsein ausgestattet, dass es einem schwer fällt sich vorzustellen, was mit ihrem Potenzial passieren wird, sollten die islamischen Fundamentalisten doch noch die Macht ergreifen.

 



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