cool world

„cool“ von Ulf Porschardt (2002) erläutert vor allen Dingen eins: den Widerspruch der Bedeutung des Begriffs.

Die Eigenschaftszuschreibung „cool“ bedeutet Gefühlskälte als auch das etwas „gut“ ist, was erst mal nicht mit einer Gefühllosigkeit einhergeht.

Porschardt versucht genau jenen komplexen Umstand des Sozialen an Hand der Entwicklung des Menschen im Klima einer modernen Massengesellschaft darzustellen. Es gelingt ihm meines Erachtens so gut, das man sagen kann, Porschardt hat ein „cooles“ Buch geschrieben und einen erfrischend poppigen Beitrag zur Debatte einer Ästhetik der Kälte geleistet. Reden viele andere Autoren mit bedeutungsschweren und elitären Erklärungsakrobatiken um eine Problematisierung der Veränderung des Menschenbildes mitsamt seines Verhaltens in einem Maschinenzeitalter, so gibt Porschardt hier mit simplen Beispielen aus der Medien- und Kulturlandschaft einen lässigen Überblick. Dadurch erscheint es nur noch halb so dramatisch, dass wir alle langsam aber sicher zum Androiden mutieren. Oder doch nicht. Vielleicht muss ein ganz neuer Begriff für den Menschen im 21. Jahrhundert gefunden werden.

Denn: „Der Prometheus des 21. Jahrhunderts ruht in einem Zustand fortwährender Neuheit, in dem er einem konstanten Prozeß von Programmierungen und Reprogrammierungen ausgesetzt bleibt. (…) Je tiefer die Strukturen des Technologischen in die menschlichen Körper eindringen, je vollständiger die Schnittstellen Kompatibilität anbieten, um so vielschichtiger kann der Austausch zwischen dem Subjekt und dem Anderen werden. (…) Die Vernetzung der Welt und der Anschluß an dieses Netz machen den user – virtuell- zu einem weltumspannenden System, das seine Sozialkontakte über den gesamten Globus verteilen kann. Wärme bietet die Auflösung der Heimat in die Vielheit eines von Medien global gemachten Zuhauses nur im Ausnahmefall.(…) Die sichtbare Fleischkonstruktion des Frankensteinschen Monsters oder die makellose Ebenbildlichkeit der Eva der Zukunft sind alte Modelle des künstlichen Menschen. Auch das verhaltene Androidentum von Warhol, Gilbert & George oder Kraftwerk symbolisiert lediglich einen Übergang, der noch deutlich die Spuren des Aufgegebenen trägt.

modern world

 



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