Das Echo des Trivialen

Materialmagie versus Kommerzästhetik

Die Schönheit der Nachfrage

popart566In Zeiten des anything goes ist das Besondere maximal ein kreativer Output, der sich irgendwie vermarkten lassen muss. Kreativität ist wirtschaftlich hoch im Kurs und fördert die Produktvielfalt. Das einzig Magische, das bleibt, ist die immer kleiner werdende Technik oder eine Geschichte, die sich gut verkaufen lässt.

Was bedeutet das für die Kunst?

Alles ist da, parallel und gleichwertig. Alle Stilbildungen in der Kunst haben ihre gleichberechtigte Wertschätzung. Es gibt eine unüberschaubare Fülle an zeitgenößischen Künstlern. Seit Ende der achtziger Jahre gibt es aber nur zwei Herren, die sich ein Kopf an Kopf -Rennen um den beliebtesten Künstler der Gegenwart liefern. Beide bereits verstorben. Ihr Erbe sind die zwei Glaubensbekenntnisse: „Jeder Mensch ist ein Künstler“ und „in Zukunft werden alle Menschen wenigstens für eine Viertelstunde berühmt sein“.

Kojote oder Marilyn Monroe?

Was haben Joseph Beuys und Andy Warhol gemeinsam? Beide stehen für einen wichtigen turn in der Kunstgeschichte. Jeder auf seine Art und Weise und im Sinne seines persönlich zeitlichen und kulturellen Kontextes. Beiden war es an radikaler Demonstration ihrer Realität gelegen. Der eine zum Beispiel ließ sich in einer Aktion in New York einige Tage in einen „Käfig“ mit einem wilden Tier sperren, der andere hantierte experimentell in seiner „Fabrik“ mit möglichst vielen unangepassten Zeitgenoßen. Das sozialkritische war vielleicht eher eine beuyssche Angelegenheit, doch man unterschätzt die weitreichende Wirkung der subtilen Angriffe von Warhol. Die Erhebung eines Medienfotos von einem Verkehrsunfall, das als Ikone in die Kunstgeschichte einging, hat mehr pejorative Aussagekraft über die gesellschaftlichen Verhältnisse als man vermuten kann. Von welcher Basis her Kritik geübt wird, sollte in der Kunst offen bleiben. Ob die Ausrottung der Ureinwohner Amerika schlecht macht, oder die Money-making-Wut ist relativ. Am Ende werden beide Künstler und ihre Message einfach teuer verhökert.

I like America and America likes me

popart4Es ist noch nicht einmal verwunderlich, dass Mr. Pop Arts Werke der Konsum- und Werbewelt bisher höhere Preise erzielt haben, als die des existenzialistischen Bildhauers und Aktionskünstlers. Es hätte ihn auch kaum gestört. Er ist eine historische Einzelfigur und kann keinem direkten Stil zugeordnet werden. Was im Spirituellen aber sehr üblich ist: „Sie können diese Energien sehr deutlich machen, wenn Sie ein anderes, längst vergessenes Reich betreten, indem unermeßliche Kräfte als große Persönlichkeiten überleben.“

Die Pop Art hingegen hatte viele Vertreter. Durch den Einfluß von Hamilton bis Oldenburg wurde banale Ware zu einem andächtigen Anschauungsobjekt mit Millionenwert. Das die Methodik des Verkaufens darin auch eine sehr wichtige Rolle spielt, war für Andy von Anfang an völlig klar und indiskutabel. „Wenn die Kunst da ist, kommt als nächster Schritt die Business-Kunst. Ich habe als Werbegrafiker mit kommerzieller Kunst angefangen und möchte es zum Business- Künstler bringen. Nachdem ich also „Kunst“ gemacht habe (wenn man es so nennen will), stieg ich in die Business-Kunst ein. Ich wollte Kunst-Businessman oder Business-Künstler sein. Ein gutes „Business“ ist die faszinierendste Kunst überhaupt.“

Die Verknüpfung von Alltag und Kunst heute – Stream of content

Pop Art lebt bis heute nach. Ein bisschen anders, aber nach gleichem Schema. Bunt und laut. Nach dem Künstler Richard Phillips ist das Neue der heutigen Pop Art viel mehr als dieser kleine Begriff wie es Popart ausdrücken würde, der eigentlich nur die Weichen bereitstellte.
Phillips nennt es ein „stream of content“. Denn nach wie vor gilt: Wenn es nicht von den Massenmedien aufgegriffen wird, ist es nicht existent.
Konkret bedeutet es: Er produziert Filme mit Personen, die bereits populär sind und veröffentlicht sie unter anderem im Internet. Aus diesem eigenen bewegten Bildmaterial löst er Sequenzen heraus und „friert“ sie in Öl auf Leinwand ein. Ergo werden sie erfolgreich verkauft. Ganz so neu wie Warhol.

TV is killing to be alive

trivial22Warhol liebte bewegte Bilder. Zeitweise filmte er den ganzen Tag alles was ihm vor die Linse kam. An anderen Tagen war nur passives schauen angesagt: „Schon bevor auf mich geschossen wurde, dachte ich immer, ich sei eher halb als ganz da – im Grunde spürte ich, dass ich immer nur ein Fernsehprogramm anschaute, anstatt richtig zu leben. Manche Leute sagen, dass das, was im Film passiert, unwirklich sei, aber tatsächlich ist es so, dass das, was dir im Leben passiert, unwirklich ist. Im Film sehen die gefühle immer so stark und echt aus, aber wenn dir selber etwas passiert, kommt es dir vor, als sähest du das alles nur auf dem Bildschirm – und du fühlst rein gar nichts.“

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