Heute lese ich

Eine Stelle aus „Das Unzerstörbare“ von Maurice Blanchot

„Sprechen ist nicht sehen

„Ich möchte wissen, wonach Sie suchen?

  • Das möchte ich auch wissen.
  • Ist dieses Unwissen nicht herablassend?
  • Ich fürchte, es ist anmaßend. Wir sind stets bereit zu glauben, dass wir durch eine intimere, gewichtigere Beziehung als das Wissen für das auserwählt sind, wonach wir suchen. Das Wissen löscht den aus, der weiß. Die uninteressierte Leidenschaft, die Bescheidenheit, die Unsichtbarkeit, all das laufen wir Gefahr zu verlieren, indem wir nicht nur wissen.“
  • Aber wir werden auch die Gewißheit verlieren, die stolze Sicherheit. Hinter dem unpersönlichen und gleichsam ausgelöschten Antlitz des Wissenden gibt es die schreckliche Flamme des absoluten Wissens.
  • Mag sein. Trotzdem verfehlt diese Flamme nicht zu leuchten, überall wo es Augen gibt. Ich sehe sie sogar in den blicklosen Augen der Statuen. Die Ungewißheit genügt nicht, um die Bemühungen der Menschen bescheiden werden zu lassen. Ich gebe zu, dass die Unwissenheit, um die es hier geht, von besonderer Art ist. Es gibt welche, die suchen in der Absicht zu finden, auch wenn sie wissen, dass sie beinahe notwendig etwas anderes finden werden als das, was sie suchen. Es gibt andere, deren Suche genaugenommen ohne Gegenstand ist…“
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