Jazze muss man nötig haben

Jazz ist Oma Musik

Meine Oma hat Jazz geliebt. Sie kam aus Holland und in Holland hören alle Menschen ihrer Generation Jazz. Ja selbst auf den volkstümlichen Straßenfesten gibt es immer schnell auch eine kleine Live-Band, die die alten Jazz-Klassiker bis zum Sonnenuntergang rauf und runter spielt. Jazz ist immer ein Indiz für Geschmack. Warum ist mir schleierhaft. Ich hätte diese Frage gerne dem Spezialisten des Geschmacks gestellt: Immanuel Kant was er zu dieser Form der „lauten Luft“ gesagt hätte. Wahrscheinlich hätte er auch hier vieles von dem ganzen Getue und Gehabe aufgeklärt und entlarvt. Aber dem Guten wurde das dann doch erspart und er durfte weit vor der Idee einer Musik mit zwei ZZ zeitlich gesegnet werden.

Fragt dagegen dich jemand was du hörst und du sagst Jazz, dann gibt es nur zwei Reaktionsmöglichkeiten:

  1. Der die Frage gestellt hat hört selbst Jazz und fragt konkreter nach was man denn so an Jazz hört. Hier wird das Niveau innerhalb des „Jazzhörens“ abgetastet. Also hört er so freakiges Zeug das mega subkulturig ist oder doch eher so eine Art „Bravo“-Jazz als Hintergrundmusik für ein Dinner.
  2. Der die Frage gestellt hat, kommentiert die Antwort „Jazz“ mit hochgezogenen Augenbrauen und einem nach vorne schiebenden Unterkiefer-Nicken mit einem „ah, okay“…Das folgende Schweigen meint dann: Oh er hat einen ausgewählten Musikgeschmack und ich fühle mich jetzt überfordert.

Letztens war ich auf der Clubnight in Bremen im Zuge des Jazz ahead-Festivals. Vielleicht habe ich aus dem gesamten Angebot von ca. 45 Location und noch viel mehr Acts genau die Location erwischt, bei der die abgefuckteste Mucke gespielt wurde. Ich mein agbefuckt aber nicht in so einem grunge-style nach dem Motto ultra fett oder mega geil, sondern echt abgefuckter Punk-Jazz in einer Mega runtergerockten Bude voll mit nervigen Franzosen im gruseligen Alter der Generation X. 

Bremen kann auch mal urban sein

Klar da kommt natürlich irgendwo auch diese Atmosphäre rüber das ich in einer Megacity bin und überhaupt alles total urban und westlich industrial overdated ist, wie das der Name „Spedition“ bereits andeutet. Und es war natürlich auch in einer echten alten Spedition. Ich mag ja doch irgendwie dieses „warholsche Faktory“ Ding! Wenn diese Gebäude nicht so schlecht isoliert wären, dann würde ich wahrscheinlich selbst in so einem „ehemaligen Irgendwas“ wohnen.

Ich wollte auch ein bißchen von der Musik einholen und euch hier über youtube zeigen wovon ich eigentlich spreche, aber sorry, meine ganze Energie ging dafür drauf, dass ich den Krampf in den Ohren nicht richtig hinhören zu wollen aufrechterhalten musste. Sodass nur folgende bildliche Eindrücke zurückblieben.



Kommentare sind geschlossen.