Kunst goes underground

Schöne alte Subkultur

Früher war der Underground ein Bereich, der dem gewöhnlichen Menschen schwer zugänglich war. Er war verschlossen für all diejenigen, die nicht in einer Szene involviert waren, die Mainstream waren und vor allem die keine grenzüberschreitenden Ambitionen hatten. Hier war die Wurzel ein jeder Avantgarde. Das Terrain der Gegenkultur im Kampf um Veränderung.

unergrundEntdeckung des Unterirdischen als Ausstellungsraum

Heute sucht man verzweifelt nach den kleinsten Anzeichen einer Bewegung im Untergrund im metaphorischen Sinne. So kommt es, dass die Kunst eben selbst hinabsteigt und sich den realen Ort in den Tiefen für experimentelle Elektrosynästhesie zu eigen macht. Alte U-Bahnschächte werden zu atmosphärischen Locations und machen neue Raumerfahrung möglich. Denn all zu häufig werden diese Orte unter der Stadt besucht, doch wenige tun das mit vollem Bewusstsein. Millionen Menschen fahren weltweit jeden Tag, mindestens fünf mal die Woche mit der U-Bahn. Die Häufigkeit läßt fast vermuten, es handelt sich um ein Ort des Vertrauens. Es ist eine Art Schleuse, die zwischen dem Zuhause und der Arbeit steht. Dieser Warteraum der Fortbewegung gab Anstoß für eine Menge schöner Geschichten über Liebe, Verbrechen und Verlorenheit. Unterirdische Systeme sind aber keine Modernephänomene, denn die Antike hatte bereits unterirdische Gewölbeanlagen, die aber anderen Zwecken dienten, als der Fortbewegung.

underground5Voice tunnel

Anfang August diesen Jahres findet das zweite Installationsprojekt des 49-jährigen mexikanisch-kanadischen Künstlers Rafael Lozano Hemmer zum Straßenfest in NYC statt. Voice Tunnel ist eine Architekturperformance in dem 425 Meter langen Park Avenue Untergrund. Diese audiovisuelle Installation nimmt Stimmen von bis zu 90 Besuchern auf und transformiert sie in eine Mischung aus Schall- und Lichtwellen.

underground789Es entsteht ein Ensemble aus akustischen Lichtblitzen in synchroner Intensität und ermöglicht jedem Besucher eine einzigartige Synästhesie und das in einer schleifenartigen Wiederholung. Fasziniert war Lozano Hemmer zu Beginn der Planungen für diese Installation von der ungewöhnlich linearen Form dieses Tunnels und die fluchtpunktartige Perspektive die sich daraus ergibt, gab ihm die dazu notwendige Inspiration für das Projekt unter der Park Avenue in NYC.

 Synästhesie ist stilbildend

undergroundSein vorheriges Projekt: Pulse Park im Rahmen der Ruhr Triennale in Bochum 2012 funktionierte in ähnlicher Weise. Hier kamen Glühbirnen zum Einsatz, die simultan mit dem jeweiligen individuellen Herzrhythmus jedes Besuchers die Geschwindigkeit des jeweiligen Pulses sichtbar machten und in ein Meer von Lichtreflexen verwandelten. In der Dunkelheit der Nacht wurde dadurch ein aufleuchtender flutenartiger Gesamttakt anschaulich und integrierte jeden einzelnen Besucher zu einem Teilnehmer an einem Kunstprojekt.

Unbeliebte aber belebte Ebene

underground67Misst man statistisch nach, wie häufig Menschen heute weltweit diese Ebene der Stadt nutzen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, diese vorhandenen unterirdischen Gewölberäume auch mehr für andere Möglichkeiten zu nutzen, als nur zur Fortbewegung. Denn abgesehen historischer Katakombensysteme in der Antike, ist das eigentliche U-Bahn- System erst 1868 in London entstanden. Mittlerweile gibt es kaum ein Land ohne diese praktische Form des Verkehrs.

Urban Sound – Urban Space

underground66Ein ähnliches Vorhaben entstand im April 2013 in Köln. Die ungewöhnliche Klanginstallation von Sam Auinger entstand als Eröffnungskonzert für das Acht-Brücken-Festival. Unter der Bonner Straße im 300 Meter langen U-Bahn-Tunnel nutzte der Stadtklangkünstler diese unterirdischen Transiträume für sein musikalisches Spektakel, das jedem vorab angemeldeten Besucher ein Gratiserlebnis der besonderen Art ermöglichte.

 

 



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