Museum versus Couch

Museum versus Couch

Möbelstück versus bedeutungsschwerer Raum

In einem Kulturmanagement-Seminar in Hamburg erfuhr ich neulich, dass die Museen heutzutage im Durchschnitt auch mit der Couch konkurieren. Das ist ja interessant. Möbelstück versus bedeutungsschwerer Raum. Warum das so ist, ergibt für mich erstmal drei Möglichkeiten:

  1. Der durchschnittliche Mensch in der Gesellschaft soll endlich aus dem Sofa in die kulturellen Hallen gebracht werden. Die Aufklärung ist noch nicht zu Ende. Es sind ja nie wirklich viele Menschen gewesen, die in solche Kulturstätten regelmäßig gegangen sind. Die Besucher waren ja meist aus einem spezifischen Milieu. Doch jetzt wo die öffentlichen Gelder gekürzt werden, muss auch aus jedem einfachen Mitbürger ein potenzieller Interessent und folglich ein „Kunde“ werden. Kultur wird mehr marktwirtschaftlicher. Kulturauftrag hin oder her.
  2. Der durchschnittliche Mensch ist aufgeklärt, weiß Bescheid über Freiheit, das Nichts, das Leben, den Körper, etc pp und kann gleich zu Hause bleiben. Spart sich Ticket, Hin- und Rückreise, Spesen und Getränke und vor allem Zeit. Zeit die er auch in Ruhe meditativ in seinem Wohlfühl-Lager verbringen möchte.
  3. Die Technik hat es erübrigt. In virtuellen Räumen sieht Kunst viel besser aus. Offline ist out!
Das Museum als Location

Die USA nutzt in dieser Hinsicht bereits die sozialen Nebennutzen einer Einrichtung zur Leadgenerierung (um diesen lustigen Anglizismus zu benutzen). Sie veranstaltet regelmäßig in verschiedenen Museen sogenannte Single-Treffs.

Gilt nur zu hoffen, dass wenn sich da mal zwei gefunden haben, die nicht anschließend vor lauter Glück wieder auf der Couch bleiben.

Museum versus Couch

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