Ein Penner in Ehren

Systemaussteiger, Versager oder Philosoph?

Penner Richard war offensichtlich ein obdachloser und suchtabhängiger Mensch. Er lebte tagsüber zwischen den roten Zeitungskästen vor dem Supermarkt und nächtigte vor dem umlufterwärmten Eingang eines Bekleidungskaufhauses. Über Jahre hatten ihn alle Anwohner und Besucher des Viertels akzeptiert und unterstützt. Nicht nur den Euro für den Wagen und das Wechselgeld von der Kasse bekam Richard, nein auch in ganz harten Wintermonaten Decken, Kleidung und warme Speisen. Oft saß er dort vor dem Supermarkt mit seiner kahlköpfigen und drogenabhängigen Freundin. Vielleicht war Richard sogar viel viel jünger als er für andere körperlich erschien. Das Leben auf der Straße ist hart und meistens auch viel kürzer und fordert sein Tribut an der Biomasse.

Heute ist Richard gestorben und alle diejenigen, die ihn kannten, gedenken mit Blumen und Kerzen. Da wird ein mancher „Normalo“ neidisch. Wer bekommt schon soviel Nachruf. Das ist dann die schöne Seite, wenn man auf der Straße lebt. Man wird von so manchen Menschen bewundert und verstanden. Wo fängt auch schon der Begriff „Straßenphilosoph“ an und wo hört er auf.

penner in ehren



Kommentare sind geschlossen.