Protest im digitalen Zeitalter

Der Traum sozialer Gerechtigkeit geht weiter….

Globale Dissidenten

IMG_5724War doch der lange Kampf um freie Meinungsäußerung keine romantische Farce, sondern vielmehr eine moderne Errungenschaft, die im Zuge der neuen Medien eine noch schnellere Verbreitung und Aufmerksamkeit fand.

Sinn und Zweck der Revolutionäre

Systemkritiker waren früher Märtyrer, Häretiker, Verräter, Intellektuelle, Idole oder Widerständler. Immer schon wurden sie bewundert und doch häufig liquidiert und anschließend hoch verehrt. Jesus und Co läßt grüßen. Der ambivalente Umgang mit Nonkonformisten gehört zur Natur der Sache. Im Allgemeinen ist der Mensch ein eher träges und konservatives Wesen und damit unbequemen Veränderungen nicht direkt aufgeschlossen. Doch hinter vorgehaltener Hand haben diese Abweichler sehr viel mehr Sympathisanten, als sie sich selbst vorstellen könnten.

Unangepasste sind sogar nach der Systemtheorie von Luhmann für jedes gut funktionierende System essentiell. Man sollte sie sich wünschen, damit die immanente Struktur nicht zu rigide und damit porös wird. Denn Störenfriede haben die wertvolle Aufgabe, Bereiche zu erschließen, für die der Konformist völlig blind ist. Sie fungieren als „Landvermesser“ für eine noch dunkle Wirklichkeit. Bestenfalls agieren sie auf dem reflektierten Niveau eines Beobachters der Beobachter. Die Position auch second order cybernetics genannt, ermöglicht Einblicke und gegebenenfalls Eingriffe in die Operationen und Funktionen eines Sozialsystems in der Realität marginal zu Politik, Recht und Wirtschaft steht.

Das Phänomen der Whistleblower

Das Theaterstück „Assassinate Assange“ der Regisseurin Angela Richter in Hamburg 2012 beleuchtete wenig informativen Hintergrund. Dafür erschien das Thema selbst als Kunstgegenstand mehr den je inspirierend und aussagekräftig.
Den Grundstoff zu diesem Stück lieferte der Regisseurin das 2011 von ihr für 1600 Euro ersteigerte Treffen mit dem Philosophen Slavoj Zizek und dem politisch hochbrisanten Wikileaks-Frontman Julian Assange. Allein dieser hochmoderne Umstand bietet bereits genügend Stoff um zu zeigen, wie die digitale Gesellschaft heute funktioniert.

Auch ist die Figur Assange, der Offline in der ecuadorianischen Botschaft auf britischen Boden sitzt, ein gutes Beispiel dafür, wie politische Räume und in dem Fall der Raum im Raum genutzt werden können. Als eine Oase systemkritischer Offerte, die dem Anschein nach nicht zwingend handlungsunfähig macht.
Im April 2013 interviewte der Philosoph Alexandre Lacroix den Kämpfer für die Netztransparenz für die Wochenzeitung ZEIT. Dieser seelische Beistand von geistiger Seite bewirkt ein Deja-vu aus dem 20. Jahrhundert mit Jean-Paul Sartre und der RAF.

Wie steht es mit dem aktuellen Whistleblower Edward Snowden? Sitzt stur am russischen Flughafen fest! Bekommt aber sehr wahrscheinlich Asyl in Südamerika. Überhaupt scheint Südamerika ein Zufluchtsort für westliche Dissidenten zu sein. Immerhin gibt es noch ein Plätzchen wo man noch untertauchen kann.

Das Phänomen der Medienrevolution

Welche Rolle spielt die Digitalisierung und das Worldwideweb in Hinblick auf gesellschaftlichen Wandel. Unterstützen sie Prozesse oder lassen sie Proteste durch die Informationsflut ins Leere laufen.

Der Livestream der Revolution

protest44Die Möglichkeiten der Veränderungen verändern sich auch. Abgesehen der Bereitschaft überhaupt auf die Straße zu gehen und seine Meinung kund zu tun, kommen heute zu den Bannern und symbolischen Demonstrationsakten die Augen der mobilen Elektrogeräte hinzu. Dieses daraus entstehende Wechselspiel zwischen Aktivisten und Reporter wird in seiner bisherigen Funktion völlig aufgehoben. Es entsteht dazu ein Kreislauf, der die Huhn und Ei- Frage stellt: Straße oder Medien zuerst? Ein lustiges Beispiel lieferten jüngst die Bewegungen in Griechenland. Dort ignorierte das Fernsehprogramm die Ausstrahlung der Proteste und sendete anstelle dessen eine Doku über Pinguine. Dieser Umstand wurde von den Widerständlern aufgenommen und zum Symbol erklärt, dass sich just als Graffiti-Pinguine auf allen Straßen zeigte.

Mitschnitte der Aktivisten und sogenannten Bürgerjournalisten können Meinungen über globale Portale transportieren und beeinflussen damit den Lauf der Dinge. Daraus ergibt sich aber auch ein Kampf um die öffentliche Deutungshoheit des Geschehens und die Instrumentalisierung der Bilder.

 

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Das Hackerkollektiv Anonymous (hier mit Guy Fawkes-Maske) organisiert sich übers Internet. Soziale Netzwerke spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Planung politisch motivierter Proteste.

Ein weiterer Unruhestifter ist die Occupywallstreet.org. Durch einflussreiche Befürworter haben sie sich mittlerweile in vielen Teilen der Erde verbreitet. Und das Bewusstsein der Öffentlichkeit erreicht. Aber hier operiert man nicht nur im Netz, sondern vielmehr fast oldschoolmäßig auf den Straßen selbst. Mit Bannern und Plakaten demonstrieren sie gegen…Ja was eigentlich? Vermutlich den Kapitalismus. Aber ist das denn so wichtig?

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