Trost durch Weisheit

de Botton´s Seelentrost

Alain de Botton`s Trost der Philosophie, eine Gebrauchsanweisung von 2002, erscheint zunächst als ein Therapeutikum für das Leben durch die Liebe zur Weisheit.

Die ewigen Schwierigkeiten wie Frustration, Unbeliebtheit und Liebeskummer, ja selbst so unphilosophische Probleme wie Geldmangel setzt der schweizer Philosoph de Botton  Ausschnitten von Denkansätzen berühmter Autoren in einem historischen Spektrum von über 2400 Jahren gegenüber und ermöglicht somit eine persönliche Relativierung seiner eigenen Sorgen und Nöte.

Wider erwartet sind es aber hauptsächlich die existenziellen Leidensgeschichten der historischen Figuren selbst, die die eigenen Probleme zu schrumpfen wissen und da hat de Botton sehr lesenswert recherchiert und Geschichten nutzbar gemacht.

So heißt es zum Beispiel S. 293 in Trost bei Schwierigkeiten mit und über F. Nietzsche:

„Es gab auch berufliche Schwierigkeiten. Von keinem seiner Bücher wurden bis zu Nietzsches Erkrankung mehr als 2000 Exemplare verkauft; (…) Bei einer bescheidenen Pension (…), konnte sich der Autor kaum einmal neue Kleider leisten. „Abgeschabt, gleich einem Bergschafe“ sehe er schließlich aus, bekannte er. In Hotels nahm er die billigsten Zimmer, geriet mit seiner Miete oft in Rückstand und konnte sich weder Heizung noch (…) Nicht minder schlecht war es um seine Gesundheit bestellt. Schon von Schulzeit an hatte er unter einer ganzen Reihe von Beschwerden gelitten: Kopfschmerzen, Magenverstimmungen, Erbrechen, Schwindel, dazu eine an Blindheit grenzende Sehschwäche und Schlaflosigkeit (…)“.

Wenn man das alles liest und weiß, wie sehr seine Schriften internationales Ansehen genießen und er ein festes Mitglied im historischen Philosophiekanon darstellt, dann ist man irgendwie beruhigt zu wissen, wie beschissen es ihm zeitlebens ging und dass er trotzdem was produktives geleistet hat.

„Er kämpfte zäh darum, glücklich zu werden, doch da, wo er scheiterte, kehrte er sich nicht gegen das, was er einst ersehnte. Er blieb dem verpflichtet, was in seinen Augen die wichtigste Eigenschaft eines edlen Menschen war: jemand zu sein, der „nicht mehr verneint“.“ Die Frage bleibt: Was ist ein „edler“ Mensch heutzutage“? Wenn man die Suchmaschine Google fragt, zeigt sie an erster Stelle…

 



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