Urbane Gewalträume

Städtisches Gewaltpotenzial und Konfliktzonen

Städte bergen jede Menge Sprengstoff und erscheinen dadurch jederzeit explosiv. Im Wesentlichen geht es immer um den Zugang zu öffentlichen Gütern, Diensten und Ressourcen. Viele Studien bestätigen die Zahlen von urbanen Gewaltakten aufgrund der ungleichen Verteilung des öffentlichen Raums.

1Aber es kommen auch andere Faktoren hinzu, wie die Frage nach Landbesitz und gesellschaftlicher Zugehörigkeit, die zu Schwierigkeiten mit dem Prozedere der politischen Teilhabe und der Anerkennung kultureller Identitäten führen kann. Diese Dynamiken internationaler bzw. transnationaler Migration fordern vehemente Lösungen für u.a. die Problemstellungen der Diversität. Denn die politische und vor allem ökonomische Globalisierung verschiebt die Ebenen der Kompetenzen und Machtverhältnisse und verlangt nach neuen Regularien des Zugangs und der Verteilung von gesellschaftlichen Ressourcen. Im Hintergrund dieser Notwendigkeiten stehen strukturelle Arbeitslosigkeit und soziale Ausgrenzungsprozesse aber auch zu Teilen die „Krise“ des Wohlfahrtsstaates selbst.

Ein globaler Polizeibericht der University of Manchester 2012 untersuchte die urbane Gewalt in vier Städten. Dili in Osttimor (südost Asien), Patma in Indien, Nairobi in Kenia und Santiago in Chile waren hier die untersuchten Orte und führten zu dem allgemeinen Ergebnis, dass Armut und Perspektivlosigkeit der Jugend häufig für Gewalt in Städten sorgen. Prinzipiell erstmal nichts Neues. Doch die Diskussionen zwischen den Einwohnern und Behörden zeigten auch, dass der soziale Umgang im öffentlichen Raum und die jeweilige herrschende Politik ausschlaggebende Faktoren zur Bereitstellung von Gewalt darstellen.

Mehr Menschen heißt nicht gleich mehr Gewalt

Auch in der innerdeutschen polizeilichen Kriminalstatistik von 2011 wird die Komplexität der Ursachen der Gewaltbildung deutlich. Demnach erschweren verschiedene Lebensformen und Lebensstile den direkten Vergleich zwischen Land und Stadt wie z.B. die Tatsache, dass die auf dem Land lebenden Menschen eine geringere Toleranz gegenüber Straftaten aufweisen als Städter. stadtgewaltWomit eine gesteigerte Anzeigenbereitschaft in der Provinz vorliegt und dagegen die Stadt mit Dunkelziffern kämpft. Ebenso schwierig ist der Vergleich zwischen den Städten. So hat München mit seinen ca. 1.400.000 Einwohnern 102.000 Straftaten und Frankfurt a.M. mit nur 680.000 Einwohnern 109.000 Delikte. Das zeigt sehr deutlich, wie unterschiedlich Städte sind und wie sie mit Problemen umgehen. Städte mit Flughafen beispielweise beeinflussen durch ihren erhöhten Anteil an spezifischen aufenthaltsrechtlichen Straftaten die Deliktwerte. Auch ist in Städten eine nicht als amtlich registrierte Gruppe aus Pendlern, Touristen, Durchreisenden, usw. vorhanden, die die Messgrößen verzerren können. Das zeigt mal wieder, dass jede Stadt dann doch ihre eigene Qualität hat unabhängig von der Quantität der Einwohner.



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