Wahrheit ist Arbeit

Wild bis zum bitteren Ende

Der vielseitige bildene Künstler Martin Kippenberger kommt in Köln auf die Bühne

Vorausgesetzt es findet sich bis zur Uraufführung im Dezember 2013 genug Material. Denn die Regisseurin Angela Richter hat mit ihrem Team vom Kölner Stadttheater einen Aufruf in Print- und Social Medias gestartet, bei dem sich doch bitte alle kippenbergischen Zeitzeugen, die zur Zeit der 80er in Köln mit oder um ihn gefeiert oder sonst was gemacht haben, zur Berichterstattung melden.

Kurz und schmerzlos

kippimartinSaufen, rauchen, Nächte durchzechen. Martin Kippenberger, der jung verstorbene Nachkriegskünstler aus Deutschland gehört laut aktuellem Kunstkompass (2013) nach Warhol und Beuys zu den 100 erfolgreichsten Künstlern der Welt. Er war im Auftrag des Credos: „Kunst ist Leben“ unterwegs und gab damit neue Denkanstöße in der Kunst zum Ende des 20. Jahrhunderts. Rücksichtslosigkeit war programmatisch womit er unter der späteren Rubrik: Die Jungen/Neuen Wilden als Ironiker die Kunstszene in Deutschland belebte. Sein Leben war extrem intensiv. Er provozierte andere bei jeder Gelegenheit und vor allem auch sich selbst. Aber mit 44 Jahren waren die Ressourcen aufgebraucht und sein Körper gab sich geschlagen.

Die Geisterbeschwörung

Jetzt kommt ein Ausschnitt seines Lebens bzw. seiner Kunst auf die Bühne. Wahrscheinlich eine Dokumentation über die einschlägigen Jahre in Köln. Hier ergaben sich für ihn dato bessere Bedingungen als bei seiner vorherigen Station in Berlin. Er hoppte laut Aussage seiner engen Vertrauten, der Galeristin Capitain in einem relativ kleinräumigen Terrain in der kölner Innenstadt. Genaugenommen von der Galerie Michael Werner zur Buchhandlung König und ins Café Broadway. Später dann kam das Hotel Chelsea dazu, das im sehr modernen Stil des SWAPs Arbeiten gegen freies Logieren vereinbarte.

Mr. Unbescheiden… aber ungewöhnlich reflektiert….

Kippi 1977

Der Lebensstil von Kippenberger war fast typisch für gewisse Einzelpersönlichkeiten seiner Generation. Alle hatten sie mit den kulturellen Altlasten und bürgerlichen Riten und Gebräuchen zu kämpfen. Künstler wie Thomas Brasch, dessen bekanntestes Buch „Vor den Vätern sterben die Söhne“ genau das wörtlich widerspiegelt. Der frühe Tod ist hier fast eine Bedingung. Doch nach Anerkennung strebten sie letzlich alle bereits zu Lebzeiten.

„Der schwabbelige Arsch von Jane Birkin“

Erst wurde Martin Kippenberger nicht ernst genommen, dann nahm er niemanden mehr ernst. Am wenigsten sich selbst. Seine Werke sind aber genau deshalb so imposant, scharfsinnig, frech und unangepasst. Darin liegt heute sein Erfolg und der Charm seines Oeuvres. Er war hochindividuell und auf eine sehr kreative Art ironisch politisch. Er nahm sich alles an Motiven und Sujets was die Kulturgeschichte bereit hielt und tobte sich mit ihnen und sich selbst aus. Frei und kompromisslos. So eine Figur würde man sich aus tiefstem Herzen heute wünschen. Die Basis seiner Vermittlung war immer Information und Kommunikation. Die Technik der Collage nahm das heutige Selbstverständnis im medialen lockeren Umgang mit Bidlern und Texten vorweg. Auch als Autor versuchte er sich. Viele seiner Aufzeichnungen erinnern an den Stil eines Rolf-Dieter Brinkmanns. Von der Kritik zeitgleicher Schauspielerinnen bis Selbstrezessionen.



Kommentare sind geschlossen.