Weißes Gift oder süße Kunst?

Wie aus einem Genußmittel ein Nahrungs- und Suchtmittel wurde

zucker78Zucker ist ein aus Pflanzen gewonnenes, süß schmeckendes Nahrungsmittel. Ein Synonym von Zucker meint gleich auch die damit verbundene Krankheit: Diabetes.
Wenn man gewillt ist ohne industriellen Zucker zu leben, bekommt man bereits Probleme bei der Beziehung von verarbeiteten Nahrungsmitteln. Er steckt fast überall drin. Mehr noch. Ein Glas mit zum Beispiel eingemachten Apfelkompott ohne Zucker ist teurer als mit Zucker.

Tabuzone Belohnung

Zucker gilt trotz Fitness- und Gesundheitstrends weiterhin als Belohnung und Geschenk. Solange Menschen auch  glauben sich und anderen damit etwas „gutes zu tun“ oder „zu gönnen“, wird es auch schwierig sein, diese Gewohnheit zu verändern.
Doch ist es der Verbraucher nicht allein, der die ganze Verantwortung für diese schlechte Essgewohnheit trägt. Das Geschäft, die Industrie und damit die Zuckerlobby hat ihren wesentlichen Teil zu dieser Entwicklung und dessen derzeitigen Status beigetragen.

Alamierende Zahlen zwingen zu reformatorischen Konsequenzen

zucker88Pro Kopf wird bis zu 30kg Süßes in Deutschland genascht, davon ein Drittel durch Schokolade. Der größte Süßigkeitenhersteller ist Mars mit über 16 Milliarden US-Dollar. Obwohl man weiß, dass der Chinese kein Schokoholic ist stieg der Zuckerkonsum in China im letzten Jahr auf über 80%. Dennoch bleibt die Fettleibigkeit in diesem Land noch sehr gering im Vergleich zu den USA und Deutschland.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten reagiert man mittelrweile auf die stetig steigende Zahl der zuckerbedingten Gesundheitsschäden. So sollen im Bundsstaat New York dank Bürgermeister Bloomberg die Big Size Produkte eingeschränkt und wieder auf ein Normalmaß gesetzt werden d.h. nicht gleich ein Liter Cola zum Burger, sondern vielleicht erstmal nur 0,33. Ideen für eine Zuckersteuer sind auch bereits vorhanden.

Süße ist nicht gleich süß – Innovation im Lakritzsegment

zucker45Dieser Umstand evoziert nach der groß angelegten Empörungs- und Vermeidungskampagne gegen Nikotin nun eine Forderung nach zuckerfreien Nahrungsmitteln. Doch das bedeutet auch einen Kampf gegen fest etablierte Nahrungsmittelhersteller. Erst jüngst wurde hier ein Sieg in Bezug auf ein alternatives Süßungsmittel „Stevia“ gewonnen. Doch der Weg war ein langer. Nach langem Importverbot mit Stevia gesüßten Produkten, landete es vorerst in den Regalen von Reinigungsmitteln. Mittlerweile durch Aufklärungsaktionen ist Stevia ein akzeptiertes Mittel zur Verfeinerung von Genuß- und Lebensmitteln. Selbst Haribo hat sich diese Alternative aus der Natur zu eigen gemacht und preist es als Produkt Zuckerzusatz mit 40% weniger Kalorien.

Zuckerfreie Misfits

Wer keinen üblichen raffinierten Zucker mag, der gilt als Selbstquäler. Verdächtiger Ökoasket. Zwanghafter Verzichter. Kurz: Spaßbremse. Dabei versaut dieses Zeug einem den ganzen Körper. Vom wabbeligen Bindegewebe bis hin zum Zahnverlust ist dieses „Nahrungsmittel“ de facto kein Gesund- und Schönmacher. Hinzu kommen die Nerven. Das wackel-zappel „Zuckerbein“ das nonstop auf der Stelle tippt, wird im Alltag kaum bemerkt bis ignoriert. Dagegen ist es völlig legitim bis obligatorisch bei Festlichkeiten, Widergutmachungspräsenten und Belohnungen Zucker einzusetzen. Diese von der Kultur konditionierten Verhaltensweisen erschweren enorm die Umstrukturierung des Warenangebotes. Selbst die Ersetzung der Süße durch Süßstoff, was bewiesenermaßen noch schädlichere Effekte hat als der Zucker selbst, oder der Einsatz von Rohrrohrzucker bleibt als Verbesserung fraglich. Denn letzteres verursacht im übermäßigen Gebrauch ebenso eine Zuckererkrankung und Fettleibigkeit. Aber vielleicht sind da die Zahlen noch nicht alarmierend genug. Sind es doch zumindest in puncto Adipositas nur 10% der Gesundheitsausgaben, sprich ca. 17 Milliarden Euro.

Erziehung zur Unmündigkeit

zuckerrrAber prinzipiell sollte das eine eigene Entscheidung bleiben dürfen. Denn andere Stimmen gegen den zuckerfreien Trend fordern die Freiheit, Selbstbestimmung und den Genuß der individuellen Lebensentscheidung und das gegebenenfalls auch mit dem süßen Stoff. Verbote sollen hier nicht die ideale Lösung sein. Vermehrte Aufklärung ist der Appell. Doch ist es das Wissen nicht allein, auch das Warenangebot muß Alternativen bieten und diese sollten preislich keine großen Sprünge haben. Erste Reaktionen gibt es bei der Verordnung der Kinderangebote durch süßigkeitenfreie Kassen im Supermarkt, Werbeverbote im Kinderkanal und Ernährungslehre in den Erziehungsanstalten. Für die Älteren gibt es von amerikanischer Seite bereits Ideen für staatliche Maßnahmen wie Grenzwerte für die Industrie und eine Zuckersteuer.

Reine Geschmackssache – das Auge ist nicht mit sondern allein
Abgesehen der ganzen Körperschäden sieht dieses Zeug auch häufig aus wie Plastik. Im doppelten Sinne. Sowohl künstlich als auch künstlerisch. Denn bunt ist nicht immer gesund.

 



Kommentare sind geschlossen.